Kein Blog #Thriller-Adventskalender 2017: Tag 2

#Thriller-Adventskalender 2017: Tag 2

Thriller-Adventskalender 2017

Willkommen zu meinem #Thriller-Adventskalender!

Tag 2: Horror-Martina

Heute kommen wir vielleicht einem der Gründe auf die Spur, warum mich dieses Genre Thriller so in seinen Fängen hat. Wie so oft im Leben, geht es dabei um eine Frau. 😉 

Horror-Martina, die eigentlich Martina Zimmermann hieß, ist der Albtraum meiner Kindheit. Wo andere Kinder vor Geistern, Monster oder was auch immer, Angst haben/hatten oder sich gruselten, war bei mir der Auslöser Martina Zimmermann. Nachts lag ich wach, wagte kaum, die Nase unter der Decke hervorgucken zu lassen, weil ich fürchtete, Horror-Martina stünde irgendwann im Zimmer. Eigentlich Quatsch. Aber immerhin war diese Frau real, ein echter Mensch. Die Möglichkeit war immerhin gegeben, nicht? Außerdem hatte man mir oft genug die Schauergeschichte, die ja eigentlich keine war, erzählt, die sich um diese Frau drehte.

Wer war Horror-Martina?

Martina Z. ist wahrscheinlich die Mörderin der letzten Jahrzehnte in meiner Heimatstadt. Ich stamme aus Mönchengladbach, eigentlich keine kleine Stadt, aber Martinas Taten waren auch dort etwas Besonderes.
Horror-Martina, die man auch »Mordhexe« nannte, hatte ihren Liebhaber getötet, zerstückelt, teils gekocht, gebraten und in der Tiefkühltruhe aufbewahrt. Ob sie sich auch kannibalistisch betätigt hat, weiß ich heute nicht, aber mein früheres, sehr junges Ich war davon überzeugt – und es hat mir Angst gemacht. Angst, die befeuert wurde von Verwandten, die meine Furcht wohl komisch fanden. Eigentlich eine traurige Angelegenheit, aber darum geht es heute nicht.
Irgendwann hat Martina Z. jedenfalls begonnen, die Leiche ihres Lovers zu entsorgen. In vielen kleinen Tupperdosen und Plastiktüten, im Bunten Garten, an einem Ort, den ich sehr gut kannte. Praktisch vor unserer Haustür.
Tja.
Die Vorstellung dieser Behältnisse an diesem Ort ist für mich so real, als wäre sie es eine Erinnerung. Lebhaft, bildhaft. In Farbe und bunt. Dabei bin ich sicher, dass es nur die Erzählungen, Zeitungsberichte etc. waren, die dafür gesorgt haben. Ich glaube nicht, dass ich den Fundort tatsächlich gesehen habe. Aber in meiner Vorstellung, meinen Gedanken, meiner Erinnerung – kurz in meinem Kopf – macht das keinen Unterschied.

Martina Z. wurde geschnappt, inhaftiert, aber ihr gelang mehrfach die Flucht. Ihr könnt euch vielleicht vorstellen, was das mit mir als Kind gemacht hat. 😉 Der Fall ließ mich nie los. Bis heute nicht. Vor ein paar Jahren fing ich an, wieder darüber zu lesen, und erst da erfuhr ich, dass die »Mordhexe« ihr Ende in Amsterdam gefunden hat. Wie es heißt, wurde sie ermordet. Schon komisch, oder?
Horror-Martina aber lebt weiter. In meinem Kopf und in meinen Geschichten. Zwei Mal hat sie schon Eingang gefunden in meine Romane. In einem Atemzug genannt mit Jeffrey Dahmer oder Ted Bundy. Immer noch und immer wieder geistert in meinem Kopf die Idee eines »Horror-Martina-True-Crime-Thrillers« umher. Auch sonst finden Motive aus Martinas Geschichte ihren Weg in meine Bücher. Ich bin überzeugt, ich würde heute nicht schreiben, was ich schreibe, wie ich es schreibe, ohne diese Frau. Vielleicht sollte ich ihr dankbar sein. Vielleicht war es das Beste, was ich aus den Ängsten, die man mir einflößte, machen konnte. Ich weiß es nicht.

Aber ich bekenne mich schuldig.

Heute habe ich Spaß daran, andere Menschen das Gruseln und Fürchten zu lehren. Aber das sind keine Kinder und letztlich ist das eine freiwillige Entscheidung. Noch zwinge ich niemanden, meine Bücher zu lesen. Noch nicht. Aber wer weiß … 😉
Wer mehr über Horror-Martina lesen mag, findet hier eine ganz gute Zusammenfassung.

Vielleicht habt ihr auch eine ganz persönliche »Horror-Martina«. Wenn ja, lasst es mich wissen. Vielleicht steckt eine gute Geschichte darin. *zwinker*