Blog #Thriller-Adventskalender 2017: Tag 23

#Thriller-Adventskalender 2017: Tag 23

Thriller-Adventskalender 2017

Willkommen zu meinem #Thriller-Adventskalender!

Tag 23: Der Schachbrettmörder

Diesen Ideenfetzen hatte ich eigentlich schon wieder verdrängt. Eine kürzliche Facebookkonversation mit der tollen Agenturkollegin Maja Ilisch brachte mich wieder darauf.

Alexander Jurjewitsch Pitschuschkin ist ein russischer Serienmörder, den man auch den »Schachbrettmörder« oder den »Irren vom Bitza-Park« nennt. Ja, diese Namen sind immer wieder »toll« – und weil das so ist, nehme ich dieses Thema vor allem in meinem gerade fertig überarbeiteten Sommerthriller, aber auch bei anderen Gelegenheiten aufs Korn.

Eigentlich will ich auf etwas anderes hinaus.

Pitschuschkin ist nicht gerade das Vorbild für meine Thrillerfigur, aber ich stieß auf ihn, als ich nach realen Ereignissen suchte, um herauszufinden, ob das, was ich mir ausmalte, zu abgedreht ist – oder ob es tatsächlich geschehen könnte.

Ideen sind eigentlich nie zu abgedreht. Nicht, wenn es darum geht, was Menschen anderen antun können. Die Realität ist abgedreht. Life is strange. Wir hatten das schon mal.

Pitschuschkin beging seinen ersten Mord mit achtzehn Jahren. Er sagte später folgendes über diese Tat:

»Der erste Mord ist wie das erste Mal verliebt sein – unvergesslich.«

Das ist eine meiner plottragenden Ideen in diesem Sommerthriller. Die Suche des Killers nach der Wiederholung der ersten Tat. Den Kick, den Rausch noch einmal zu erleben.

Zum Serienmörder wurde Pitschuschkin aber erst neun Jahre später.

Er wollte 64 Menschen töten, entsprechend der Anzahl der Felder auf einem Schachbrett, die er immer dann, wenn er einen Mord begangen hatte, mit einer Zahl markierte. Man fragte ihn, was er getan hätte, wenn er das Brett jemals gefüllt hätte. Pitschuschkin meinte, er hätte wohl ein neues Brett gekauft.

Auch mein Mörder ist von einer ähnlichen Idee besessen – und von Zahlen. Aber sein Ziel ist ungleich höher …

Es gab Menschen, die Pitschuschkin töten wollte, die ihm aber entkamen oder seine Attacke überlebten. Als Pitschuschkin eines Tages einem Opfer, das er tot geglaubt hatte, begegnete, unterbrach er seine Tötungsserie.

Er setzte sie jedoch fort, als man einen anderen Mann für den Schachbrettmörder hielt und die Medien darüber berichteten. Pitschuschkin aber wollte seinen zweifelhaften »Ruhm« nicht teilen – und tötete weitere Menschen, relativ unvorbereitet und achtlos. Das wurde ihm zum Verhängnis.

Die Sucht nach »Anerkennung« und der Verlust der Kontrolle. Da treffen sich mein fiktiver Mörder und der reale Täter Pitschuschkin wieder.

Wenn ich die wahre Geschichte Pitschuschkins lese, denke ich mir, ich könnte das erfunden haben. Aber tatsächlich habe ich eine andere Geschichte erfunden, die interessante Parallelen aufweist. Pitschuschkin ist nur der lebende, (nicht mehr) mordende Beweis, dass mein Thriller nicht an den Haaren herbeigezogen ist. Sogar die Motive (Mordlust und Geltungssucht; bei meiner Figur noch ein, zwei mehr) ähneln sich.

Das ist schon irgendwie seltsam.

Pitschuschkin könnte nur eine Figur sein, die mein Kopf an irgendeinem Tag ausgespuckt hat. Aber das ist er leider nicht – und vor allem seine mutmaßlich über 60 Opfer ebenfalls nicht. Sein erstes Brett hatte Pitschuschkin nämlich bereits fast gefüllt …

Übrigens erscheint Maja Ilischs neues Buch »Die Spiegel von Kettlewood Hall« am 03.04.2018 bei Droemer-Knaur. Das ist zwar kein Thriller, aber trotzdem mit Sicherheit ein spannendes, tolles Buch. Ich freue mich darauf.